Wie zu Großmutters Zeiten

 Landfrau Bärbel Ganter aus Egringen backt den Kirschplotzer nach einem alten Rezept

 Der Kirschplotzer ist der Klassiker unter den Kirschkuchen, viele Familien haben ihr eigenes Rezept. Bärbel Ganter, Bezirksvorsitzende der Lörracher Landfrauen aus Egringen, backt ihn nach einem Kochbuch aus Großmutters Zeiten.

Kathrin Ganter

Nicht, dass Bärbel Ganter für den Kirschplotzer noch ein Rezeptbuch brauchen würde:  „Solche Klassiker  gehen immer schnell, ohne groß zu überlegen“, sagt sie.  Und der Kirschplotzer ist auch ein denkbar einfacher Kuchen, der kinderleicht zuzubereiten ist. „Es ist ein ganz  altes Rezept“, sagt Bärbel Ganter. Vor allem im Markgräflerland und am Kaiserstuhl lässt man sich den Kirschplotzer gern schmecken. „Eben überall da,   wo es viele Kirschen gibt.“ Er ist eigentlich ein Resteessen, um altbackenes Brot zu verwerten. 

Es ist traurig, was alles weggeschmissen wird“, sagt Bärbel Ganter und berichtet von einer Aktion der Landfrauen zur Resteverwertung. Ernährung und Hauswirtschaft sind  noch immer  Stärken der Landfrauen, wenngleich bei weitem nicht ihre einzigen. In ihren Seminaren beschäftigen sie sich zudem mit Gesundheit, wirtschaftlichen und sozialen Themen. Und sie machen gemeinsame Ausflüge und treffen sich manchmal einfach nur zum Plausch.  „Die Landfrauen haben sich stark gewandelt. Viele sind keine Bäuerinnen mehr, sondern Frauen, die auf dem Land leben, aber ganz anderen Berufen nachgehen“, erklärt Bärbel Ganter. Zur Bezirksgruppe gehört aber auch der Bäuerinnen-Info-Treff, der sich mit Themen der Landwirtinnen wie Hofmanagement oder Direktvermarktung auseinandersetzt. 

Mit geübtem Schwung trennt Bärbel Ganter fünf Eier. Sie holt die Vorratsdose mit dem Zucker, misst 175 Gramm ab und gibt ihn zu den Eigelben. Ein Teelöffel Zimt kommt hinzu und drei Esslöffel Kirschwasser. „Jeder macht den Kirschplotzer  ein bisschen anderes“, sagt Bärbel Ganter. Manche, berichtet sie, schwören auf altbackenes Brot, sie selbst verwendet trockene Brötchen, die sie mit heißer Milch überbrüht. „Die zieht besser ein als kalte Milch.“ Wenn Brot- und Eigelbmasse gut vermischt sind, kommen die Kirschen hinein. Mit Kern. „Natürlich kann man sie auch aussteinen“, sagt sie. Aber die meisten Bäckerinnen sparen sich diese Arbeit, die nicht nur viel Zeit kostet, sondern durch den Kirschsaft auch eine ziemliche Sauerei in der Küche geben kann. Welche Kirschsorte verwendet wird,  ist  Geschmackssache. Bärbel Ganter nimmt schwarze, kleinere. Die großen Kracher stehen in einer Schale auf dem Tisch, zum Naschen.

Die „Chirsi“ in Bärbel Ganters Kirschplotzer sind  eigene. Sie und ihr Mann haben ein paar  Bäume, Tochter und Schwiegersohn eine große Kirschenanlage. „Bisher ist es ein sehr gutes Kirschenjahr“, sagt  die Landfrau Die Kirschen seien zwar nicht ganz so groß, die Bäume aber schön voll. Wer sich noch nicht vom Aroma der heimischen Kirschen überzeugt hat, hat dazu noch rund fünf Wochen Zeit. Am Ende der Kirschensaison, die mittlerweile durch die zehn bis zwölf verschiedenen Sorten schon recht lange dauert, kommen die Sauerkirschen.

 Im Moment gibt es Kirschen in Hülle und Fülle. Wie frisch sie sind, kann man auch am Stil erkennen, erklärt Bärbel Ganter. Je grüner und feuchter er ist, umso frischer sind die Kirschen. Man könne sie aber auch gut einige Tage aufbewahren. Sie mögen es kühl, aber nicht zu kalt. Und zum Essen sollten sie Zimmertemperatur haben, dann schmecken sie am besten. 

Mit einer Mischung aus Paniermehl und Zimt bestreut Bärbel Ganter den Krischplotzer. „Man kann auch die Kruste der Brötchen dazu abreiben“, sagt sie. Ein paar vereinzelte Butterflocken kommen darauf – für eine schöne Kruste. Wenn der Kirschplotzer dann seine Zeit im Ofen verbracht hat, löst  Bärbel Ganter mit einem Messer den Rand von der Form und lässt den Kuchen in der Form auskühlen. „Halbwarm schmeckt er am besten“, sagt sie. Und Vanillesoße oder Sahne, die könne man schon dazu servieren, aber eigentlich brauche es das gar nicht. „Die Kirschen haben ein feines Aroma. Das sollte man nicht mit einer dominanten Soße überdecken“. Und sie verrät zum Abschied noch ein anderes, flottes Kirschenrezept: „Einfach einen dickflüssigen Pfannkuchenteig anrühren, Kirschen dazugeben und in heißem Fett von beiden Seiten ausbacken.“ Diese Chirsi-Küchle schmecken nicht nur zum Dessert oder zum Kaffee, sondern auch als Beilage zu einer kräftigen Gemüsesuppe.

Kirschplotzer:

 6 altbackene Brötchen würfeln und mit 1/2 Liter heißer Milch übergießen. 5 Eier trennen, Eigelbe mit 175g Zucker und 1 TL Zimt verrühren, 3 EL Kirschwasser zugeben und nochmals durchrühren. Die eingeweichten Brötchen mit dem Quirl durchkneten, Eiweiße steif schlagen. Eigelbmasse und  Brötchenmasse verrühren. 1 Kilo Kirschen zugeben, zum Schluss Eischnee unterheben. In eine mit Paniermehl ausgestäubte Springform geben. Semmelbrösel mit Zimt mischen und darüberstreuen, einige Butterflöckchen darauf verteilen. Bei 180 Grad Umluft 50 bis 60 Minuten backen.